Thüringer Klöße                

Die Thüringer verehren geradezu diese runden Bälle aus Kartoffeln. Schon allein die Vielzahl der Bezeichnungen und Zubereitungsvariationen zeigt dieses innige Verhältnis. "Grüne" Klöße, "wollene" Klöße, "Höbes", "rote" Klöße, "Thüringer" Klöße oder "Hütes" heißen sie und in unserer Sippe auch hin und wieder "Igel", aber das erzähle ich später. Die Klöße passen aber einfach fast zu Allem : Ente, Wildschwein, Gans, Hirsch, Hammel, Schwein, Rind oder Karnickel. Genauso lang ist die Liste des Gemüses, was man dazu reichen kann. Zuerst natürlich Rotkohl, dann aber auch Pilze, Erbsen, Möhren usw. . Wichtig ist aber auch immer eine gute Soße dazu, die ruhig auch ein bisschen fettig sein kann, denn das macht den Klößen gar nichts, fast im Gegenteil.

Die Klöße bestehen eigentlich nur aus rohen Kartoffeln. Der Einsatz von etwas Milch oder Kartoffelbrei ist nicht unüblich aber fast schon üppig. Wichtig ist in jedem Fall, dass die geriebenen rohen Kartoffeln kräftig ausgepresst werden. In einigen Gegenden wird die sich im Kartoffelwasser absetzende Kartoffelstärke zum Teil wieder zur Masse getan, andere mögen die Klöße aber weicher. Ich bin zum Beispiel der Meinung die Dinger dürfen nicht kochen, maximal ziehen, andere bevorzugen leise sprudelndes Salzwasser. Die Masse jedenfalls muss von einer Konsistenz sein, das sie sich gerade noch so zu Kullern formen lässt. Derartige Klöße heil ins Wasser zu bekommen grenzt an Kunst. Ach so, ein paar geröstete Brötchenstücke in der Mitte sind sehr schmackhaft, aber werden in manchen Thüringer Landesteilen mit Verachtung belegt. Noch ein paar Tipps: Beim Reiben die Masse in warmes Wasser gleiten lassen, dadurch bleibt sie hell und locker und beim Kochen dürfen sich die Klöße nicht drängeln, jeder braucht für sich genügend Platz, um wohlgeformt und wohlschmeckend sein heißes Salzwasserbad zu verlassen.

Nun, die "Igel". Omma war die Chefköchin der Sippe. So ergab es sich, das Mutter vor vielen, vielen Jahren mal das Problem hatte, eigenständig Klöße zuzubereiten. Mangelnde Erfahrung, eine zu grobe Kartoffelreibe und zu heißes Kochwasser führten dazu, dass das die Kartoffelfasern wie bei einem zusammengerollten Igel in alle Richtungen standen und die Klöße sich putzig neben dem faschierten Braten ausnahmen. Aber geschmeckt haben sie trotzdem...................

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